16. Anlegersymposium des Raiffeisen InvestmentClubs zum Thema „Sicher entscheiden bei unsicheren Märkten“ Prof. Theresia Theurl: Fehlende realwirtschaftliche Dynamik (Kopie 1)

 Mit Spannung erwarteten am Freitag 300 InvestmentClub-Mitglieder die Auftritte zweier gegensätzlicher Referenten beim Anlegersymposium im Konzerthaus Bozen: Theresia Theurl, Professorin für Volkswirtschaftslehre und geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen an der Wilhelms-Universität Münster, und Markus Merk, Fußball-Weltschiedsrichter des Jahrzehnts. Beide gaben Einblick zum Thema „Sicher entscheiden bei unsicheren Märkten“.

Prof. Theresia Theurl skizzierte den Anlegern das aktuell schwierige Marktumfeld. Auf den Finanzmärkten herrsche Unsicherheit, die Entwicklung vieler Faktoren sei nicht abschätzbar, gute Entscheidungen seien schwieriger und folgenreicher geworden. „Jeder sollte sich selbst ein Bild machen und sich nicht von der Meinung anderer abhängig machen“, betonte Prof. Theurl.

Fehlende realwirtschaftliche Dynamik

Theurl verwies in ihrem Vortrag u. a. auf die Verschuldung der europäischen Volkswirtschaften und die zunehmende private Verschuldung in den Emerging Markets ebenso wie auf die schleppende Produktivität in der Realwirtschaft. Seit der globalen Finanzmarktkrise habe sich die Produktivität deutlich reduziert, was zu sinkenden Kapitalerträgen führe. Weltweit sei keine realwirtschaftliche Dynamik zu erwarten, auch die früheren Impulse aus den Emerging Markets, wie z.B. China, seien wenig zu spüren. Zudem verwies Theurl auf die Entwicklung der Geldpolitik in den wichtigsten Wirtschaftsräumen. Diese sei seit mehreren Jahren expansiv und habe zu einer Liquiditätsschwämme sowie historisch niedrigen Zinsen geführt. Theurl geht von Zinssatzerhöhungen in den USA aus, allerdings nicht vor den US-Wahlen. Es stelle sich die Frage, ob sich der Eurozinssatz vom Dollarzinssatz abkoppeln kann.

Höhere Rendite nur bei höherem Risiko

Anleger sollten sich auf die „neue Welt“ mit hohen Schwankungen der Märkte einstellen, meinte Theurl. Insgesamt sei davon auszugehen, dass bei gleicher Rendite mehr Risiko eingegangen werden muss oder bei gleichbleibenden Risiken weniger Rendite zu erzielen sei. Auch gelte es, sich an die goldenen Regeln der Geldanlage zu  halten, darunter breit zu diversifizieren, den häufigen An- und Verkauf von Anlagen zu vermeiden, auch längere Durststrecken durchzustehen und nicht dem Herdentrieb aufzusitzen. Mehr als bisher gehe es in Zeiten wie diesen um den Erhalt, nicht um die Vermehrung des Vermögens, so Theurl.

 

Merk: Die beste Entscheidung ist eine sichere Entscheidung

Um die Kunst des sicheren Entscheidens ging es im Referat von Markus Merk. Der promovierte Zahnarzt wurde dreimal mit dem Titel „Weltschiedsrichter des Jahres“ ausgezeichnet. Heute gibt er seine Erfahrungen an Unternehmen weiter und meint: „Die beste Entscheidung ist eine sichere Entscheidung und diese wird zwischen Ration und Intuition getroffen.“ Sicher entscheiden ist ein permanenter Lern- und Trainingsprozess. Entscheidungen sollten schnell und konsequent, aber nicht übereilt getroffen werden. Erfolgreiche Entscheider zeichnen sich durch hohe fachliche Kompetenz, schnelle Beobachtungsgabe, Teamorientierung, Begeisterung und Mut zur Verantwortung aus. „Eine gute Entscheidung muss nachvollziehbar sein und richtig kommuniziert werden“, unterstrich Merk.

Entscheidungen  dürfen und müssen auf dem Weg zum Ziel korrigiert werden.  Zu einem guten Entscheider, so Merk, gehört zweifellos auch ein angemessenes Selbstmanagement mit Selbstbeobachtung, Selbstkritik und Selbstzweifel.

 

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