Sommerveranstaltung 2017

Hirnforscher Hufnagl: „Unser Gehirn braucht zwischendurch immer wieder Ruhe und Muse!“

„Immer mehr, immer schneller und alles gleichzeitig, das bedeutet nicht hirngerecht zu arbeiten!“ Mit dieser Aussage ließ der renommierte Hirnforscher Bernd Hufnagl bei der Sommerveranstaltung des Raiffeisen InvestmentClubs das Publikum aufhorchen. In seinem Vortrag „Besser fix als fertig: Hirngerecht arbeiten in der Welt des Multitasking“ gab er Einblicke, wie unser Gehirn „tickt“ und plädierte für mehr Geduld und Achtsamkeit in unserem hektischen Arbeitsalltag.

Multitasking soll eigentlich die Effizienz und Produktivität steigern, tatsächlich führt die gleichzeitige Arbeit an mehreren Aufgaben zu einem Konzentrations- und Leistungsverlust. Abgelenkt durch E-Mails, Telefonate oder andere Störfaktoren, schaffen wir es laut Hufnagl gerade noch mal 11 Minuten, uns konzentriert einer Sache zu widmen.

Biologisches Erbe wirkt auch heute

Wir sind von unserer Biologie auf Ablenkung programmiert. Viele Prozesse und spezialisierte Areale in unserem Gehirn, die sich im Laufe unserer Evolutionsgeschichte entwickelt und bewährt haben, wie das Gedächtnis, das Belohnungssystem, der Fluchtreflex u.a.m. wirken auch heute noch in uns, unterstrich der Hirnforscher. So führt der Neugiertrieb beispielsweise dazu, dass wir permanent die zwanghafte Sorge haben, etwas zu versäumen,  bekannt als „Fear of missing out“-Phänomen (abgekürzt FOMO), das besonders mit dem Konsum von modernen Technologien und sozialen Netzwerken einhergeht.  In unserer modernen, digitalen und beschleunigten (Arbeits)welt tappen wir oft in diese biologischen Fallen, was sich negativ auswirken kann. 

  

Negative Folgen

Der permanente Wechsel zwischen Tätigkeiten führt dazu, dass das Gehirn rasant zwischen den Aufgaben hin und herwechselt - das bedeutet Effizienzverlust. Wir können infolge Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterscheiden. Aufmerksamkeitsstörungen, Stresssymptome und psychische Erkrankungen nehmen zu, während die Belastbarkeit und die Fähigkeit, Zuzuhören und Empathie zu empfinden, abnehmen. 

Spielregeln helfen

Hufnagl empfiehlt Spielregeln und Tipps, um wechselseitige Ablenkung zu minimieren und den Arbeitsalltag besser zu bewältigen: Spielregeln im Umgang mit E-Mails, beispielsweise das Eliminieren von Störfaktoren wie Pop-ups, oder der kontrollierte Gebrauch des Smartphones. Hilfreich sei es, Nicht-Ziele zu definieren, also ganz unkonventionell und bewusst einmal festzulegen, was man nicht tun will.  Wichtig sei es auch, sich immer wieder kurze Auszeiten und Tagträume zu gönnen. Denn unser Gehirn braucht zwischendurch Ruhepausen, wo es „nicht funktionieren“ und keine To-do-Listen abhaken muss.

Die Sommerveranstaltung des Raiffeisen InvestmentClubs in der Raffeiner Orchideenwelt in Gargazon war sehr gut besucht. 

Dr. Bernd Hufnagl

Bernd Hufnagl studierte Biologie und Medizin und war zehn Jahre lang am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in der Hirnforschung tätig. Seit 2003 widmet er sich dem Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitswelt und betreut mit seinem Team namhafte internationale Unternehmen. Er ist Autor des Buches „Besser fix als fertig! Hirngerecht arbeiten in der Welt des Multitasking“. Leicht verständlich zeigt er darin auf, wie man die Erkenntnisse der Hirnforschung für die Arbeitswelt nutzen kann.